• Schrittweise in Pension

Schrittweise in Pension

02.06.2017     DAVID SPIESS Geschäftsbereichsleiter, VZ VermögensZentrum

Pensionierung – Wer sein Arbeitspensum nach und nach reduzieren kann, bleibt abgesichert, erhält später mehr Rente und spart Steuern.

Ab Mitte 50 denken viele Berufstätige ans Aufhören. Sie haben genug von ihrem anstrengenden Job oder wünschen sich mehr Zeit für ihre Hobbys oder die Familie. Doch eine Frühpensionierung ist teuer. Das Einkommen fällt weg und gleichzeitig verschlechtert sich die berufliche Vorsorge. Und wenn man alle Vorsorge-Guthaben auf einmal auszahlen lässt, fallen auch noch hohe Steuern an.

Bezüge von Kapitalleistungen aus Pensionskassen-, Freizügigkeits- und Säule-3a-Guthaben werden pro Jahr für die Besteuerung zusammengerechnet. In den meisten Kantonen auch die des Ehepartners, abgesehen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Obwohl Kapitalbezüge zu einem niedrigeren Satz versteuert werden – nur Renten werden als Einkommen versteuert –, kann einem die Auszahlung wegen der Steuerprogression teuer zu stehen kommen.

Eine schrittweise Reduktion des Arbeitspensums federt diese Folgen etwas ab. Viele Pensionskassen sind offen für einen flexiblen Ausstieg. Eine Angestellte, die ihr Arbeitspensum zum Beispiel mit 60 Jahren von 100 auf 70 Prozent reduziert, kann sich von ihrer Pensionskasse 30 Prozent ihres Altersguthabens auszahlen lassen oder als Rente beziehen. Diese Möglichkeit hat sie ein zweites Mal, wenn sie ihr Pensum mit 65 um weitere 30 Prozent senkt. Den Rest bezieht sie, wenn sie ihre Berufstätigkeit ganz aufgibt.

Auf diese Weise baut sie ihr Alterskapital weiter auf und bleibt auch bis zur ordentlichen Pensionierung gegen Tod und Invalidität abgesichert. Eine schrittweise Reduktion des Arbeitspensums ermöglicht zudem einen gestaffelten Bezug der Altersguthaben, bei dem deutlich weniger Steuern anfallen, als wenn man alle Leistungen auf einmal bezieht. Dafür kann aber der verbleibende Beschäftigungsgrad nach einer Teilpensionierung nicht wieder erhöht werden.

Kantone regeln Teilpensionierung unterschiedlich

Damit die Teilkapitalbezüge aus Sicht des Steueramtes akzeptiert wer- den, muss die teilweise Beendigung der Erwerbstätigkeit klar zutage treten und dauerhaft sein. In den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft beispielsweise akzeptieren die Steuerbehörden zwei Teilkapitalbezüge mit der entsprechenden Kürzung des Arbeitspensums. Dabei muss das Arbeitspensum jeweils um mindestens 20 Prozent reduziert werden.

Bis zur nächsten Reduktion ist im Kanton Aargau eine Frist von sechs Monaten einzuhalten. In Basel-Landschaft beträgt sie ein Jahr. In beiden Kantonen muss der dritte Bezug in einer kompletten Aufgabe der Arbeitstätigkeit münden. Zudem kann das restliche Guthaben nur noch als Rente bezogen werden.

Im Kanton Solothurn wird ein dritter Bezug nur in Ausnahmefällen bewilligt. Wie in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft muss das Arbeitspensum auch hier jeweils um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Die Frist zwischen den einzelnen Teilpensionierungsschritten beträgt ein Jahr. Basel-Stadt erlaubt zwei Teilpensionierungsschritte mit Teilkapitalbezug.

Einzahlungen in die Säule 3a

Wer über das ordentliche Pensionierungsalter hinaus erwerbstätig bleibt, darf auch weiter in die Säule 3a einzahlen. Die Beiträge sind auf 6768 Franken pro Jahr beschränkt, falls gleichzeitig Beiträge in die Pensionskasse gezahlt werden. Wer keine Pensionskassenbeiträge mehr zahlt, darf bis zu 20 Prozent des jährlichen Nettoeinkommens in die Säule 3a einzahlen, bis maximal 33 840 Franken.

Übrigens: Es lohnt sich, das Guthaben in der Säule 3a möglichst spät zu beziehen. So müssen die Zins- und Dividendenerträge auf einem Freizügigkeitskonto und 3a-Konto nicht als Einkommen versteuert werden, das Guthaben nicht als Vermögen.