• Sommeranlass - Klima hat Einfluss auf die Waldwirtschaft

Sommeranlass - Klima hat Einfluss auf die Waldwirtschaft

17.06.2019

Hardwald Das einst prophezeite grosse Waldsterben hat nicht stattgefunden. Aber höhere Temperaturen setzen heute einigen Bäumen in den Wäldern zu.

Olav Brunner

Hat das Klima einen Einfluss auf die Waldwirtschaft? Der Hauseigentümer-Verband Kloten HEV wollte die Frage von einem Fachmann beantworten lassen und lud seine Mitglieder zu einem Informationsanlass in den Hardwald ein. Verbandspräsident Ralph Homberger konnte mehr als 80 Personen bei den Liegenschaften des Forstreviers Hardwald begrüssen.

Förster August Erni stellte den Zweckverband Forstrevier Hardwald der Gemeinden Bassersdorf, Dietikon, Opfikon, Nürensdorf und Wallisellen vor. Neben den Anteilen der Gemeinden besitzen rund 300 private Waldbesitzer Parzellen in den Wäldern. Heute ist Waldbesitz ein Verlustgeschäft. Die Holzpreise sind so tief, dass man bei jedem geschlagenen Kubikmeter Holz Geld verliert. Erni hofft, dass zukünftig im Hausbau mehr Holz eingesetzt wird, ein CO2-neutraler Rohstoff. 

Nötige Kontrolle

Erni wies auf die Schädlinge im Wald hin. Durch den heissen Sommer im letzten Jahr vermehrten sich die Borkenkäfer extrem. Und Pilze befallen die Eschen. Buchen leiden unter der Trockenheit. Selbst die robusten Weisstannen sind geschwächt, die vier wichtigsten Baumarten im Hardwald haben Probleme. „Was unsere Vorfahren gepflanzt haben, funktioniert nicht mehr“, stellt Erni fest. Besonders Fichten-Monokulturen leiden unter dem Befall von Borkenkäfern. Waldbesitzer sollten ihre Bäume wöchentlich auf den Befall von Käfern kontrollieren. 

Rund um eine Edelkastanie steht mitten im Wald ein stabiler Holzzaun. Der rund 80-jährige Baum gedeiht prächtig, obschon er im Winter vom Blitz getroffen wurde und einen Riss in der Rinde abbekam. Förster Erni zeigte an diesem Beispiel, dass durch Verjüngungen mit verschiedenen Baumarten das Risiko von flächendeckenden Schäden vermieden wird. Der Holzzaun wurde übrigens angebracht, damit die Kastanien im Herbst nicht irgendwo in einem Backofen braten, sondern vom Forstdienst als Samen für neue Bäume dienen. 

Ärger mit Fremdpflanzen

Aus Gärten in der Umgebung tragen Vögel immer mehr Samen von Fremdpflanzen wie Japanerknöterich oder Kirschlorbeer in die Wälder. „Jedes Jahr verursacht die Bekämpfung dieser Neophyten Personalkosten von 30-50‘000 Franken“, ärgert sich Erni. Er empfiehlt den Gartenbesitzer, Fremdpflanzen aus Gärten zu entfernen. Die Frage eines Besuchers, ob Borkenkäferfallen im Hardwald eingesetzt werden, verneint Erni: „In einer Falle geraten pro Jahr nur etwa 50‘000 Käfer, gleichviel wie in einem einzigen Baum leben. Zudem ist die Kontrolle der Fallen sehr aufwendig“.

Am Schluss des informativen Rundgangs unterhielt Marco Visett die Gäste mit dem Alphorn, unterstützt von der Alphorngruppe Swissair. Für Erni ist klar, dass trockenes, heisses Klima den Wald belastet: „Eine schlechte Badesaison ist eine gute Saison für den Wald“.